Astaxanthin Studienlage

Wissenschaftliche Evidenz und Sicherheitsdaten im Überblick


Einordnung und wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag fasst ausgewählte wissenschaftliche Veröffentlichungen zu Astaxanthin zusammen. Die Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Bildung und Transparenz. Sie ersetzen keine medizinische Beratung, keine Diagnose und keine Behandlung durch Ärztinnen oder Ärzte.

Es werden Studien beschrieben, die unterschiedliche Dosierungen von Astaxanthin untersucht haben, darunter auch Mengen oberhalb der von europäischen Behörden derzeit für Nahrungsergänzungsmittel empfohlenen Aufnahmemenge. Die Darstellung der Studienergebnisse stellt keine Empfehlung für eine bestimmte Dosierung und keine Aussage zur Eignung eines konkreten Produkts dar.

Bei gesundheitlichen Fragen oder vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollten sich Verbraucherinnen und Verbraucher an medizinisches Fachpersonal wenden.


Regulatorischer Rahmen in der Europäischen Union

Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hat Astaxanthin aus der Mikroalge Haematococcus pluvialis als neuartiges Lebensmittel Novel Food bewertet.

  • Für Erwachsene und Jugendliche ab vierzehn Jahren wurde eine tägliche Aufnahmemenge von acht Milligramm aus Nahrungsergänzungsmitteln als sicher eingestuft.
  • Bestimmte Personengruppen wie Kinder sowie schwangere und stillende Frauen werden von der ergänzenden Aufnahme ausgenommen und sollten Astaxanthin nur nach Rücksprache mit Fachpersonal verwenden.

Die rechtliche Beurteilung von gesundheitsbezogenen Aussagen erfolgt in der Europäischen Union über die Health Claims Verordnung. Aussagen, die eine Verbesserung bestimmter Körperfunktionen oder die Vorbeugung von Erkrankungen suggerieren, sind nur zulässig, wenn sie ausdrücklich zugelassen wurden. Die nachfolgende Darstellung wissenschaftlicher Daten ist daher bewusst nüchtern formuliert und verzichtet auf gesundheitsbezogene Werbeaussagen.


Überblick über die Studienlage zu Astaxanthin

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche klinische Studien zu Astaxanthin durchgeführt. Ein Teil dieser Untersuchungen betrachtet die Sicherheit und Verträglichkeit, andere Studien befassen sich mit Parametern wie oxidativem Stress, Hautparametern, Sehfunktion, kognitiven Testverfahren oder Belastungssituationen bei Sport.

Die Studien unterscheiden sich stark in Dauer, Dosierung, untersuchten Personengruppen und Endpunkten. Die nachfolgende Übersicht gibt einen Einblick in typische Fragestellungen, ohne die Ergebnisse als gesicherte gesundheitliche Wirkung zu interpretieren.

 

Schnelleinstieg: Die wichtigsten Links

Sicherheitsstudien (12+ mg):

Dosierungs-Vergleiche (4 vs 6 vs 12 mg):

Langzeitstudien mit 12 mg:

Behördliche Genehmigung:

Sicherheits-Review (alle Dosen):

 


1. Sicherheitsbewertung in Humanstudien

Ein zentraler Überblick wurde von Brendler und Kolleginnen und Kollegen veröffentlicht. In diesem Sicherheitsreview wurden 87 Humanstudien mit natürlichem Astaxanthin ausgewertet.

  • In diesen Untersuchungen kamen Dosierungen zwischen zwei und vierzig Milligramm pro Tag zum Einsatz.
  • Ein Teil der Studien nutzte Dosierungen ab zwölf Milligramm pro Tag über Zeiträume von etwa zehn Tagen bis zu drei Monaten.
  • Die Autorinnen und Autoren berichten, dass in diesen Studien keine relevanten Sicherheitsbedenken für natürliches Astaxanthin beschrieben wurden.

Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der Bewertung der Verträglichkeit, nicht auf der Wirksamkeit. Für die rechtliche Einstufung im Rahmen von Nahrungsergänzungsmitteln sind jedoch weiterhin die Bewertungen der zuständigen Behörden maßgeblich, insbesondere die EFSA Entscheidungen.


2. Oxidativer Stress und Entzündungsmarker

Mehrere randomisiert kontrollierte Studien und eine Meta Analyse haben sich mit Markern für oxidativen Stress und Entzündung im Blut beschäftigt. Eine Zusammenfassung von Ma und Kolleginnen und Kollegen betrachtet zwölf randomisiert kontrollierte Studien mit insgesamt dreihundertachtzig Teilnehmenden und Dosierungen im Bereich von etwa zwei bis vierzig Milligramm pro Tag.

  • In dieser Auswertung berichten die Autorinnen und Autoren unter anderem eine statistisch signifikante Verringerung des Biomarkers Malondialdehyd, der häufig als Marker für oxidativen Stress verwendet wird.
  • Für klassische Entzündungsmarker wie C reaktives Protein zeigten sich in dieser Meta Analyse keine konsistenten signifikanten Veränderungen.

Die Ergebnisse werden von den Autorinnen und Autoren als Hinweis auf mögliche antioxidative Eigenschaften diskutiert, ohne dass hieraus unmittelbare Therapieempfehlungen abgeleitet werden.


3. Studien zu Sehfunktion und Bildschirmarbeit

Einige Untersuchungen haben visuelle Funktionen in den Mittelpunkt gestellt. So wurde in Studien mit Erwachsenen über vierzig Jahren beziehungsweise mit Personen, die regelmäßig am Bildschirm arbeiten, geprüft, ob die Einnahme von Astaxanthin messbare Effekte auf bestimmte Sehparameter hat.

  • In einer placebokontrollierten Studie mit verschiedenen Dosierungen wurde untersucht, ob sich unter anderem Fernsehschärfe und die Fähigkeit zur Anpassung des Auges an unterschiedliche Entfernungen verändern. Die Autorinnen und Autoren berichten, dass in bestimmten Dosierungsgruppen statistisch signifikante Verbesserungen dieser Messgrößen beobachtet wurden.
  • Weitere Arbeiten mit Bildschirmarbeiterinnen und Bildschirmarbeitern befassten sich mit Änderungen der Sehschärfe nach längerer Bildschirmarbeit sowie mit Parametern des oxidativen Stresses. In einer dieser Studien wurden besonders bei Personen ab vierzig Jahren Unterschiede zwischen der Astaxanthin und der Placebogruppe beschrieben.

Diese Ergebnisse sind in klar definierten Studiensituationen erhoben und lassen sich nicht ohne weiteres auf alle Bevölkerungsgruppen oder Alltagssituationen übertragen.


4. Hautbezogene Studien

Ein weiterer Schwerpunkt der Forschung sind Hautparameter. Eine systematische Übersichtsarbeit von Zhou und Kolleginnen und Kollegen fasst elf Studien zusammen, in denen orale Astaxanthinaufnahme teilweise in Kombination mit äußerlicher Anwendung untersucht wurde.

  • In dieser Analyse berichten die Autorinnen und Autoren, dass in den eingeschlossenen Studien statistisch signifikante Verbesserungen in Messgrößen wie Hautfeuchtigkeit und Hautelastizität beschrieben wurden.
  • Einige der ausgewerteten Untersuchungen befassten sich außerdem mit der Reaktion der Haut auf UV Belastung, wobei Hinweise auf schützende Effekte diskutiert werden.

Darüber hinaus liegen einzelne Studien mit längerer Beobachtungsdauer vor, in denen untersucht wurde, ob sich unter alltäglichem Umweltstress Veränderungen von Hautparametern zwischen Verum und Placebo unterscheiden. Die Berichte deuten darauf hin, dass sich bestimmte Parameter in Placebogruppen ungünstiger entwickelten als in den Astaxanthingruppen. Die Autorinnen und Autoren interpretieren dies als Hinweis auf mögliche schützende Effekte, betonen jedoch gleichzeitig die Notwendigkeit weiterer Forschung.


5. Untersuchungen zu kognitiven Testverfahren

Es existieren randomisiert kontrollierte Studien, in denen Astaxanthin bei älteren Erwachsenen mit subjektiv berichteter Vergesslichkeit eingesetzt wurde. Ein Beispiel ist die Arbeit von Katagiri und Kolleginnen und Kollegen.

  • In dieser Untersuchung erhielten Teilnehmende über zwölf Wochen entweder Astaxanthin in verschiedenen Dosierungen oder Placebo, während standardisierte Testverfahren zur Erfassung kognitiver Leistungsfähigkeit angewendet wurden.
  • Die Autorinnen und Autoren berichten, dass in einzelnen Testparametern Unterschiede zwischen der höher dosierten Astaxanthingruppe und Placebo beobachtet wurden.

Die Ergebnisse werden im Originalartikel vorsichtig interpretiert und als möglicher Ansatzpunkt für weitere Studien beschrieben.


6. Untersuchungen bei körperlicher Belastung und Training

Mehrere neuere Studien befassen sich mit Situationen hoher körperlicher Belastung, zum Beispiel bei widerstandstrainierten Sportlern oder bei Feuerwehrleuten in Training und Einsätzen.

  • In einer randomisiert kontrollierten Crossover Studie mit widerstandstrainierten Männern wurde unter anderem die subjektive Einschätzung von Muskelkater nach intensiven Trainingseinheiten erfasst. Die Autorinnen und Autoren berichten von einer geringeren berichteten Muskelsteifigkeit in den Phasen mit Astaxanthineinnahme.
  • Eine andere Studie mit einer vergleichbaren Zielgruppe und ähnlicher Dosierung kam im Hinblick auf Muskelkater zu anderen Ergebnissen, beschrieb jedoch Veränderungen in Parametern wie Sauerstoffaufnahme, Blutdruck und Nüchterninsulin.
  • In einer Untersuchung mit Feuerwehrleuten wurden Entzündungsmarker und Parameter der körperlichen Leistungsfähigkeit betrachtet. Die Autorinnen und Autoren berichten von Veränderungen einzelner Biomarker und interpretieren diese im Kontext der Belastungssituation.

Die unterschiedlichen Resultate zeigen, dass die Effekte in praktischen Sport und Belastungssituationen komplex sind und von Studiendesign, Trainingsprotokoll und Messmethoden abhängen.


7. Lipidparameter und Glukose

Eine Meta Analyse von Ursoniu und Kolleginnen und Kollegen fasst randomisiert kontrollierte Studien zusammen, in denen Blutfette und Glukosewerte unter Astaxanthineinnahme untersucht wurden.

  • In dieser Auswertung fanden die Autorinnen und Autoren keine konsistenten signifikanten Effekte auf Gesamtcholesterin, LDL Cholesterin oder Triglyzeride.
  • Für HDL Cholesterin und Glukose werden in einzelnen Analysen leichte Veränderungen beschrieben, die insgesamt jedoch zurückhaltend interpretiert werden.

Auch hier handelt es sich um Studien mit begrenzter Teilnehmerzahl und begrenzter Laufzeit.


Dosierungen in Studien und Sicherheitsaspekte

Die in den hier erwähnten Arbeiten verwendeten Dosierungen liegen überwiegend im Bereich von vier bis zwölf Milligramm pro Tag, teilweise auch darüber. Kurzfristig wurden in Studien Einzeldosen oder Kurzzeiteinnahmen von bis zu vierzig Milligramm pro Tag untersucht.

Wichtige Punkte aus der veröffentlichten Literatur sind:

  • Kurzfristige Einnahmen mit Dosierungen bis vierzig Milligramm pro Tag wurden in den beschriebenen Humanstudien im Allgemeinen gut vertragen.
  • Mittelfristige Einnahmen über einige Wochen bis wenige Monate fanden häufig mit Dosierungen im Bereich von sechs bis zwölf Milligramm pro Tag statt. In diesen Studien wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse beschrieben.
  • Die verfügbaren Daten zu sehr langfristiger Einnahme über mehrere Monate hinaus sind begrenzt.

Gleichzeitig ist zu betonen, dass

  • die EFSA Bewertung für Nahrungsergänzungsmittel in der Europäischen Union aktuell von acht Milligramm pro Tag als sicherer Aufnahmemenge ausgeht und
  • die Studienlage zwar auf eine gute Verträglichkeit von natürlichem Astaxanthin in den untersuchten Bereichen hinweist, daraus aber keine eigenständige rechtliche Anpassung der zulässigen Aufnahmemengen abgeleitet werden darf.

Personen mit bestehenden Erkrankungen sowie Personen, die Medikamente einnehmen, sollten die Einnahme von Astaxanthin mit Ärztin oder Arzt besprechen, insbesondere bei Leber oder Nierenerkrankungen oder bei gleichzeitiger Verwendung mehrerer Nahrungsergänzungsmittel.


Einordnung für interessierte Verbraucherinnen und Verbraucher

Zusammenfassend lässt sich sagen

  • Die wissenschaftliche Literatur beschreibt Astaxanthin als Substanz, die in den untersuchten Studien im Allgemeinen gut vertragen wurde.
  • Es existieren verschiedene Arbeiten, die Zusammenhänge zwischen Astaxanthineinnahme und Messgrößen wie oxidativem Stress, bestimmten Hautparametern, Sehfunktion, kognitiven Testverfahren oder Belastungsreaktionen untersuchen. Die Ergebnisse werden in den Originalpublikationen zumeist zurückhaltend und im Kontext der jeweiligen Studiensituation interpretiert.
  • Für die praktische Anwendung im Rahmen von Nahrungsergänzungsmitteln sind rechtliche Vorgaben und behördliche Bewertungen maßgeblich. Die hier dargestellte Studienübersicht ersetzt diese Bewertungen nicht, sondern soll transparent machen, auf welche Veröffentlichungen sich das allgemeine Interesse an Astaxanthin stützt.

 

Zusammenfassung: Evidenzübersicht für 12-mg-Astaxanthin-Tagesdosis

Aspekt Befund Evidenzsicherheit
Sicherheit bei 12 mg/Tag 87 Humanstudien ohne Sicherheitsbedenken; 35 Studien mit ≥12 mg/Tag dokumentiert sicher Hoch
Typische Wirksamkeitsdosis 4–12 mg/Tag in Studien untersucht; 12 mg/Tag zeigt Effekte auf mehrere Endpunkte Hoch
Sehfunktion & Akkommodation 4 & 12 mg verbessertern Sehschärfe & Fokusfähigkeit bei älteren Erwachsenen über 28 Tage Mittel–Hoch
Hautgesundheit & Photoaging 6–12 mg verbessern Feuchte & Elastizität; wirken UV-protektiv über 8–16 Wochen Hoch
Muskelkater (DOMS) 12 mg/Tag reduziert subjektive Soreness um ~58% 24h post-Exercise Mittel (eine positive Studie, eine negative)
Kognitive Funktion 12 mg/Tag zeigt Verbesserungen über 12 Wochen bei älteren Erwachsenen mit Vergesslichkeit Mittel–Hoch
Oxidativer Stress & Entzündung Malondialdehyd signifikant reduziert; TNF-α, CRP variable; Effekte bei T2DM stärker Mittel–Hoch
Lipidprofil & Glukose Keine signifikanten Lipid-Effekte; leichte Glukosereduktion; HDL ↑ bei Dosen >12 mg Mittel
Maximale sichere Dosis (Langzeit) 8 mg/Tag (EFSA-genehmigt); 12 mg/Tag in Studien sicher dokumentiert; >12 mg weniger erforscht Hoch
Behördlicher Status EFSA Novel Food (8 mg/Tag); FDA GRAS; in DE als Nahrungsergänzung erlaubt Hoch

 

Wir hoffen, dass dieser Beitrag Sie bei Ihrer Entscheidungsfindung unterstützen konnte und ausreichend Informationen bietet, um sich umfassend zu orientieren.

Bitte beachten Sie, dass dieser Inhalt keine Empfehlung für eine bestimmte Dosierung darstellt. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten stets Produktangaben, behördliche Hinweise sowie den eigenen Gesundheitszustand berücksichtigen und im Zweifel fachkundigen Rat einholen.


You may also like

Alle anzeigen
Example blog post
Example blog post
Example blog post